Khao San Road (KSR) – Weltzentrum der Rucksacktouristen in Bangkok

Die kurze Straße in Bangkok ist ein Synonym für Rucksackreisen. Es gibt kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem Rucksacktouristen auf einem Haufen unterwegs sind. Aus diesem Grund bietet die Khao San Road auch eine Vielzahl von Backpacker-Optionen: Unterkünfte, Bars, Bars, Reisebüros und große Geschäfte. Diese zahlreichen Angebote ziehen wiederum immer wieder neue [...]

Die kurze Straße in Bangkok ist ein Synonym für Rucksackreisen. Es gibt kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem Rucksacktouristen auf einem Haufen unterwegs sind. Aus diesem Grund bietet die Khao San Road auch eine Vielzahl von Backpacker-Optionen: Unterkünfte, Bars, Bars, Reisebüros und große Geschäfte. Diese zahlreichen Angebote ziehen wiederum immer wieder neue Besucher an, die nun das gesamte Gebiet von Banglampoo im Nordwesten der Innenstadt von Bangkok in Besitz genommen haben.

 

Die Khao San Road kurz & knapp

Thailand - Bangkok - Khao San Road

  • ca. 400 m lange Straße im Viertel „Banglampoo“ am nördlichen Rand von Bangkoks Innenstadt.
  • Weltzentrum des Rucksacktourismus.
  • Inzwischen Synonym für ein ganzes Touristenviertel, mit der Khaosan Road im Zentrum.
  • unteres Preis- und Komfortniveau.
  • Übernachtungen ab ca. 250 Baht in zahlreichen Guesthouses.
  • Mahlzeiten ab ca. 50 Cent an Ständen; in Restaurants ab ca. 40 Baht (rund 1 Euro).
  • Unzählige Läden und Stände mit Produkten für Rucksacktouristen (mit gemischtem und teilweise bedenklichem Qualitätsniveau).
  • Unzählige Menschen aus allen Ländern, manchmal sogar Thais
  • (inoffizielle) „Amtssprache“ Englisch.

 

Der Mythos Khao San Road

Thailand - Bangkok - Khao San Road - Backpacker

Manche lieben die Straße. Manche Leute finden sie unangenehm. Einige Leute wollen sie unbedingt sehen. Einige wollen so schnell wie möglich wieder gehen. Manche schwärmen von der Straße. Viele verfluchen sie. Manche machen sich über die Straße lustig. Einige machen sich über diejenigen lustig, die sich über die Straße lustig machen. Und viele verdienen dort eben auch ihren Lebensunterhalt.

Für fast jeden, der sie kennt, ist die Straße einfach eine Straße in Bangkok. Klischees gibt es genug: „Disneyland für Freizeithippies“, „Boulevard der Eitelkeiten“ oder „Ballermann für Rucksäcke“.

Die Straße ist vulgär und magisch, lebhaft, lebendig und träge und mittlerweile selbst eine Touristenattraktion: Sie wird häufiger fotografiert und leidenschaftlicher beschrieben als der wenige hundert Meter entfernte „Große Königspalast“.

 

Nicht mehr Europa und noch nicht ganz Asien

Thailand - Bangkok - Khao San Road - Tuk Tuk

Wir haben 10.000 km hinter uns gebracht, die Arabische Wüste, den Himalaja überflogen und müssten eigentlich in einem fernen, fremden Land gelandet sein.

So erscheint die Khao-San-Road aber nicht. Das Treiben auf der Khaosan Road wirkt bisweilen wie eine riesige Uniparty unter dem Motto: ‚Wir spielen Asien‘, die etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Das wahre Asien, das wahre Thailand fangen einen oder auch ein paar hundert Kilometer weiter entgernt an.

Die KSR gilt als „Gateway to Asia“ – das Tor nach Asien, – und eben nicht als Asien. Was bei genauem Hinsehen vielleicht nicht ganz richtig ist: Immerhin gehören rucksackbepackte Touristen inzwischen ebenso zu Thailand wie gelbgewandete Mönche. Hochverdichtet wie in der Khao San ist der Tourismus zwar sonst nirgends, aber auch nicht völlig untypisch.

Auf der Khaosan würzt eine Handvoll Thailand westliches Studentenleben. Es gibt Pauschalkomfort für Individualtouristen: Reisebüro – Kneipe – Internetcafé – Guesthouse – Klamottenladen (teilweise alles in einem). Dieser Fünfkampf der Touri-Versorgung wiederholt sich auf beiden Seiten der Road ungezählte Male, dazwischen kleine Supermärkte, Juweliere, Geldwechsler, Maßschneider. Das Angebot scheinbar immer gleicher Läden auf der kurzen Straße ist verwirrend und riesig. Der Andrang von Touristen aber auch.

Zahlreiche Besucher fühlen sich auf Anhieb heimisch und benehmen sich entsprechend. Einige Reisende versacken auf der Road, bleiben dort wochenlang hängen und fangen erst gar nicht zu Reisen an. Andere kommen mit der KhaoSan Road nie zurecht und fliehen, so schnell es geht, zu vermeintlich ruhigeren Orten in Thailand.

 

Die Khao San Road verändert ihr Gesicht

Der Trend ist nicht nur auf der KSR, sondern überall in Thailand, sogar in ganz Südostasien zu beobachten: Komfort- und Preisniveau steigen seit Jahren. Die touristische Infrastruktur für den Rucksacktourismus wird herausgeputzt. Die zweite oder dritte Generation Backpacker (sie nennen sich heute häufig „digitale Nomaden“) in Thailand hat höhere Ansprüche und gibt mehr Geld aus, als ihre Eltern vor 30 Jahren.

Schlichte, einfache Backpacker Kaschemmen sterben aus. Inzwischen ist mit „Prakorbs House“ die letzte alte Traveller Kneipe auf der Khao San Road geschlossen worden. Jetzt ist dort eine Massagebude. Offenbar ist Massage auf der Road derzeit ein einträglicheres Geschäft als gute, günstige und halbwegs authentische Thaiküche.

Mit einfachsten baulichen Mitteln werden Lifestyle Treffs wie die „Silk-Bar“ in ein paar Tagen aus der Retorte gezaubert. Oder ein alter VW-Bulli wird mit Flex und Farbe zur „Volksbar“ umgerüstet, in der grell-grazile Kathoys Cocktails in Plastikbecher servieren.

Selbsternannte Szenekneipen werben um zahlungskräftige Kunden. Neue große Hotels bieten Übernachtungen in gediegenen Zimmern, zu einem vielfachen des Preises, den die Herberge verlangte, die hier Jahre zuvor stand.

„…bald wird die letzte Garküche verschwinden und der erste Burgerbrater eine Filiale auf der Khapsan eröffnen…“, habe ich schon im Jahr 2003 geunkt.

Mehr als 12 Jahre später gehören Mc, der King und der Hühnermörder aus Kentucky beinahe schon zum alteingesessenen Inventar der Road. Mc betreibt gar zwei Filialen auf der 400 Meter kurzen Straße. Ebenso bieten „Starbucks“ und „World Coffee“ Heißgetränke in klimatisierten Räumen an. Bei Subway bekommst du Butterbrote wie daheim.

Somit tummeln sich die Läden, die sich zwischen Kopenhagen und Kapstadt, Kansas City und Kaliningrad  überall auf der Welt tummeln, – als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner der internationalen Esskultur, auch auf der Khao San Road.

War das eigentlich wirklich viel toller, damals, als die Road noch keine Tourismusmaschine war, als es dort noch kein Pflaster aus Schmucksteinen und noch keine Coffeeshops gab. Als stattdessen Reisverkäufer ihre Karren über die staubige Road schoben und erste Farangs in billigen Zimmer garantiert ohne jeden Komfort abstiegen.

Die Backpacker Romantik stirbt aus auf der Khaosan Road.

Immerhin, der Kaffee war damals ungenießbar. Heute schmeckt er Weltklasse.

Das gesamte Viertel teilen drei Thai-Chinesische Investorengruppen unter sich auf. Gebaut wird, was Geld bringt.

Zum einen sollen zahlungskräftige Thaiy-Yppis der Thai-Society bedient werden, die in der KSR einen Szenetreff entdeckt haben.

Zum anderen sollen vermehrt solvente Touristen der gehobenen Klasse, die bisher allenfalls zum Sehen und Staunen kamen, im Viertel gehalten (und zum Geldausgeben animiert) werden.

Dafür wird derzeit die Infrastruktur mit gestylteren Läden geschaffen. Nach und nach verschwinden die angestammten Läden und werden durch Gepflegteres ersetzt und das Preisniveau wird weiter steigen.

 

Vom Insidertipp zur Tourismusmaschine

Thailand - Bangkok - Khao San Road - Am Tag

Vor rund 30 Jahren gab es in der Khao San Road ein paar gammelige Fremdenzimmer. Sie waren ein Insidertipp für Reisende, die gerade Thailand als vom Tourismus weitgehend unberührtes Paradies entdeckt hatten.

Vielleicht sähe die Khaosan heute noch wie damals aus, hätte nicht ein gewisser Joe Cummings ein paar der Zimmer in seinem Reiseführer „Lonley Planet – Asia on a shoestring“  verzeichnet. Das Buch hat heute Bibelstatus.

Es besteht ein Bedarf nach solch einem Ort. Wen keine deutsche Reiseleitung und kein Hotel von TUI oder Neckermann auffängt, der braucht zunächst einen vertrauten Platz, der vor abruptem Kulturschock schützt. Den Kulturschock kann sich hier jeder selbst dosieren.

Einige Straßen weiter, kann man in Slums argwöhnische Blicke auf sich ziehen, kann eine unbehagliche Einladung in ein armseliges Heim bekommen oder in „echten“ Bangkoker Kneipen lauwarmes Fischcurry löffeln und mit Zeichensprache kommunizieren.

Muss man aber nicht: Auf der Khao San Road gibt es Baguettes und Beck’s Bier. Die Bedienung spricht nicht mehr, als sie muss. Auf Englisch.

Wer dann doch Exotik will, kann in einem der Reisebüros ein Ticket zu fast jedem Ort Asiens buchen (incl. Visum nach Laos oder Kambodscha). Oder sich Bangkok, ein paar Straßen weiter, zumuten. Aber wie gesagt, niemand muss es.

Bilder Evan Krause on Unsplash, Ragnar Vorel on Unsplash, Bundo Kim on Unsplash, Evan Krause on Unsplash, Carles del Río Francés auf Pixabay

vorheriger Artikel nächster Artikel
Auch interessant für Dich:
Eine scharfe Angelegenheit – Thai Food in Bangkok

Eine scharfe Angelegenheit – Thai Food in Bangkok

„Die Hand weigert sich, den Löffel zum Mund zu führen. Stattdessen greift sie zum Bier. Der erste Schluck erreicht den Magen nicht. Er ist bereits auf der Zungenspitze vollkommen verdampft. Höllenfeuer im Gaumen, im Rachen, im gesamten Körper. Der Organismus schaltet...

Die besten Design-Hostels in Bangkok

Die besten Design-Hostels in Bangkok

Bangkok bietet zahlreiche Boutique-Hostels für Design-orientierte Reisende. Diese neun Design-Hostels beweisen, dass Du mit einem kleinen Budget für Hotels nicht auf Stil verzichten musst. Nicht jeder kann es sich leisten, im "The Sukhothai" oder einem anderen...

Klong (Khlong) – Die Kanäle in Bangkok

Klong (Khlong) – Die Kanäle in Bangkok

Das erstaunt den Touristen auf einer Bootsfahrt durch die Klongs mit dem Linienboot: Hinterköpfe vorn und an den Seiten die Planen zum Schutz vor der Sonne. Unter den Planen hindurch, erhascht man Blicke auf das pittoreske Ufer, gesäumt von Häusern und Märkten oder...

Buche Deine Unterkunft!

1 Kommentar

  1. Die Khao San hat so gar nichts mit Thailand gemein. Junge Touristen kommen her, um sich sinnlos zu betrinken und total verrückte Partys zu feiern. Ich habe Leute kennengelernt, die 1 Woche auf der Khao San verbrachten und anschließend meinten, sie würden Thailand kennen. Erstaunlich und traurig zugleich.

    Viele der jungen männlichen Backpacker reisen dann auch gerne noch weiter ins 80 km entfernte Seebad Pattaya, trinken dort weiter, vergnügen sich in den Bars und Clubs und vermutlich auch mit den Mädchen und erzählen anschließend, sie seien durch Thailand gereist.

    Für mich ist die Khao San ein wirklich fragwürdiger Ort, um dort seinen Urlaub zu verbringen.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich stimme zu